Universität Mannheim / PhilFak / RSC / Forschergruppen / Vertrauen in anonyme BewerterInnen

Vertrauen in anonyme BewerterInnen

        Sprecher: Prof. Dr. Matthias Kohring
        ProjektleiterInnen: Prof. Dr. Eva Martha Eckkrammer, Prof. Dr. Angela Keppler, Prof. Dr. Matthias Kohring, Prof. Dr. Simone Paole Ponzetto, PD Dr. Axel Schmidt, Prof. Dr. Thomas Spranz-Fogasy (beratend), Prof. Dr. Heiner Stuckenschmidt
        Wissenschaftlicher Mitarbeiterinnen: Sevda Can Arslan, Coline Baechler, Maike Klüber

        Projekte

        1. Gründe für Vertrauen in Arztbewertungsportale (Prof. Dr. Matthias Kohring, Sevda Arslan, M.A.)

          Das Projekt geht der Frage nach, ob und warum Menschen Arztbewertungen im Internet vertrauen. An Arztbewertungsportalen lässt sich die Funktionsweise von Vertrauen im Internet besonders klar beobachten: Zum einen geht es um Informationen, die besonders relevant sind, denn das Risiko bei der Übernahme von Informationen über einen Arzt ist potenziell sehr groß. So kann die falsche Behandlung durch einen empfohlenen Arzt schwerwiegende bis tödliche Folgen haben. Zum anderen bleiben die Verfasser von Arztbewertungen fast komplett anonym. Bis auf wenige Angaben zur Versicherungsform, dem ungefähren Alter und manchmal dem Geschlecht erfährt der Arztbesucher nichts, und selbst diese Angaben sind nicht verbürgt.

          Dem Bewerter in einer solchen Situation zu vertrauen, ist also doppelt schwierig. Der Arztsucher weiß einerseits, dass die Übernahme einer Arztbewertung ein Risiko birgt, andererseits hat er kaum Hinweise zu deren Verfasser. Das Vertrauensproblem ist hier so verschärft, dass man es in seiner elementarsten Form beobachten kann.

          Die empirische Untersuchung baut auf der hypertextlinguistischen Analyse des Projekts von Prof. Dr. Eckkrammer und Coline Baechler auf. Die Untersuchungsteilnehmer werden mit den dort ermittelten Prototypen von Arztbewertungen und Arztbewertungen, die von diesen Prototypen stark abweichen, konfrontiert. Mithilfe des Think Aloud-Verfahrens und problemzentrierter Interviews wird dann untersucht, aus welchen Gründen die Teilnehmer den Arztbewertungen vertrauen.
        2. Hypertextlinguistische und kulturkontrastive Untersuchung deutscher und französischer Arztbewertungsportale (Prof. Dr. Eva Martha Eckkrammer, Coline Baechler)

          Das Projekt befasst sich vergleichend mit Arztbewertungsportalen in Deutschland sowie in Frankreich. Im ersten Schritt zielt es auf eine hypertext(sorten)linguistische Analyse  dieser Portale ab, um deren konventionelle Struktur für die untersuchten Sprachkulturen nachzuzeichnen und diese als Hypertextsorte zu beschreiben. In einem zweiten Schritt wir ein Korpus bestehend aus Bewertungskommentaren systematisch auf lexikalische und morphosnytaktische Eigenschaften sowie ihre Themenprogression hin analysiert, mit dem Ziel, die sprachliche Prototypizität  der Arztbewertung zu ermitteln sowie die Abweichungen davon. Die Konfrontation der deutschen und französischen Arztbewertungsportale sowie Arztbewertungen bietet außerdem an, interkulturelle Rückschlüsse zu ziehen, zum Beispiel über die deutsche und französische Diskurstradition des Bewertens oder den Einfluss der kulturbedingten Medizinvorstellungen auf die Bewertungen.
        3. Vertrauen in und durch Interaktion in medizinischen Hilfeforen (Prof. Dr. Angela Keppler, PD Dr. Axel Schmidt, Prof. Dr. Thomas Spranz-Fogasy (beratend), Maike Klüber)

          Ziel des Teilprojekts ist es, zu analysieren, ob und wie im Rahmen anonymer Netzkommunikation Mechanismen der Vertrauensbildung in und durch Interaktion hergestellt werden. Im Fokus der Untersuchung stehen medizinische Hilfeforen, in denen Laien untereinander kommunizieren, nicht solche, in denen ExpertInnen beraten. Methodisch werden die Forenkommunikationen anhand der ethnomethodologischen Konversationsanalyse ausgewertet. Zwar handelt es sich bei Forenkommunikationen medial um schriftliche Texte, konzeptionell weisen sie aber Aspekte der Mündlichkeit auf. Analysiert werden keine einzelnen Posts, sondern Interaktionen – sogenannte Threads. Dabei wird aus synchroner Betrachtungsweise gefragt, wie die InteraktionsteilnehmerInnen eine gemeinsame Kommunikationsgrundlage herstellen und diese ausgestalten. Anhand einer diachronen Betrachtungsweise werden Interaktionsbeziehungen rekonstruiert und auf vertrauensbildende Mechanismen hin analysiert.