Dissertationsprojekt - Frederik Kiparski

Zur Ko-Konstruktion von Referenzialität. Autorschaft zwischen literarischer und journalistischer Darstellung

Das Dissertationsprojekt macht sich im Rahmen der interdisziplinären Forschergruppe Aufstieg der Referenzialität: Literarische Autorschaft und publizistische Öffentlichkeit am Research and Study Centre (RSC) der Universität Mannheim die Untersuchung der wechselseitigen Beziehung zwischen der öffentlichen, journalistischen Darstellung von Autorschaft und deren literarischer, textueller Verhandlung zur Aufgabe. Das Forschungsprojekt strebt eine vergleichende Untersuchung an, die sowohl das französische, als auch das deutsche literarische Feld in Betracht zieht.

Ausgangspunkt des Projektes ist die vielfach konstatierte, bisher allerdings nicht empirisch erfasste Tendenz innerhalb des literarischen Feldes einer immer bedeutenderen Personalisierung und Biographiesierung sowohl der Berichterstattung über Literatur als auch der Vermarktung von Literatur. Auf literarischer Seite entspricht dieser Tendenz eine Fülle an auto- oder autorfiktionalen Texten sowie die Reflexion von Inszenierungs- und Vermarktungspraktiken innerhalb der literarischen Texte. Die hier aufgezeigte Situation hat in den vergangenen Jahren zu einer Vielzahl an wissenschaftlichen Publikation geführt, die sich mit den Inszenierungspraktiken von Schriftstellern, sowohl im französischsprachigen als auch im deutschsprachigen Raum beschäftigen. An diese Arbeiten gilt es anzuknüpfen, um die Entstehung von Autorenimages zu untersuchen.

Der Rückgriff auf den Begriff der posture d’auteur von Jérôme Meizoz macht es terminologisch möglich sowohl textinterne Strategien der Selbstinszenierung als auch textexterne Strategien, zum Beispiel anhand von Auftritten der Autoren in öffentlichen Kontexten, zusammen zu bringen. Stärker als bisher geschehen, macht es sich das Projekt zur Aufgabe die Strategien des Self-fashioning der Autoren in ihrem komplexen Bedingungsfeld zu analysieren. Zu diesem Zweck soll der ebenfalls aus Meizoz’ Konzept der posture entlehnte Begriff der „Ko-Konstruktion“ stärker in den Vordergrund gestellt werden, um die Teilhabe dritter, wie vor allem der publizistischen Öffentlichkeit, an der Entstehung einer posture zu verdeutlichen. Es soll untersucht werden wie in einem Prozess des Aushandelns zwischen den verschiedenen Akteuren des literarischen Feldes eine posture d’auteur und damit spezifisch mediale Referenzialität entsteht. Im Interesse der Arbeit liegen daher sowohl die literarischen, als auch die publizistischen Strategien der Aneignung und Formung dieser Referenzialität, sowie der sich im Spannungsfeld dieser Akteure entwickelnde Dialog. Besondere Relevanz in diesem Kontext haben Autoren wie Éric Chevillard und Felicitas Hoppe, die sich in ihren Texten metareflexiv von Strategien der personalisierenden Autorinszenierung distanzieren, indem sie Diskursformen wie Autofiktion und autobiographisches Schreiben aufgreifen und dekonstruieren. Zwar entziehen sich diese Autoren der öffentlichen Nachfrage nach biographischen und vor allem privat-persönlichen Informationen, allerdings versuchen sie gerade durch diese Positionierungen aktiv das Aushandeln ihrer posture d’auteur mitzubestimmen.